Wertvoller Blick von außen

Der Auftritt.

Du hast einen Gig, der ordentlich entlohnt ist. Deinen persönlichen Erwartungen entspricht er aber deutlich nicht.

  • Der Veranstalter ist nicht da und bleibt während der 3-stündigen Auftrittsdauer komplett

    abwesend.

  • Der Wirt bittet ausdrücklich darum, nicht im Gastraum zu spielen, weil’s dann mit der Akustik sehr schwierig ist, die Bestellungen der Gäste zu verstehen.
  • Die Bühne im großen Bräusaal ist nicht vorbereitet, ganz im Gegenteil: Tische, Stühle und Gläser auf der Bühne lassen darauf schließen, dass dieser Auftrittsort schon länger als zusätzlicher Lagerungsplatz genutzt wird.
  • Bewirtung gibt’s im Saal keine, Selbstbedienung im Gastraum ist angesagt.
  • Die Beschilderung, das Marketing für die Veranstaltung fehlt gänzlich, obwohl es am Veranstaltungsort als Sommer-Publikums-Magnet sehr viele Möglichkeiten gäbe und auch ausreichend Publikum aus nah und fern in der weitläufigen Anlage unterwegs ist.
  • Last but not least spielt die Band also vor einer Handvoll interessierter Zuhörer in einem Saal, der für mehrere hundert Gäste angelegt ist.

Was tun?

love it, change it or leave it.

Was bewirkt eine solche Verkettung unglücklicher Umstände bei den Künstlern? Unzufriedenheit, Frust und Sarkasmus, das sind nur ein paar Beschreibungen dafür. Was macht man denn nun mit und aus genau dieser Situation? Klar, den Spruch „love it, change it or leave it“ kennt man, aber was heißt das denn für genau diese Situation?

Nicht zu ändern sind die Rahmenbedingungen: Bühne, Ort, Marketing, Publikum. Raus aus der Nummer kommt man bei einem vorvertraglich vereinbarten Gig mit entsprechendem Honorar ebenfalls nicht. Da muss der Profi professionell damit umgehen.

Bleibt also die Band an sich und eine Änderung der Einstellung.

Aus jeder Situation das Beste machen.

Die Kunst (im doppelten Sinn) ist es nun, aus dieser Situation das Beste zu machen: die Lage zu akzeptieren und zu tun, was den größten Nutzen bringt. Dazu kann beispielsweise gehören, dass man den Auftritt probt oder unterschiedliche Darstellungsansätze ausprobiert. Man kann Varianten in der Musik spielen oder Neues erfinden. Auf jeden Fall gehört es auch dazu, die anwesenden Gäste zu Fans zu machen. Denn sie wissen die Anstrengungen zu schätzen – sie sind da, trotz der vermeintlich widrigen Umstände – und wollen Musik erleben, wollen genau diese Band hören.

Durchaus verständlich wäre eine künstlerische Reaktion wie „Kopf-in-den-Sand-stecken“. Das darf auch kurz passieren, Unmut äußern, gegenüber den Bandkollegen, dem Ärger und der Unzufriedenheit Luft machen. Aber dann heißt es: durchstarten, die widrigen Rahmenbedingungen ausblenden und vollen Fokus auf die Musikdarbietung legen. Kontakt mit dem Publikum aufnehmen, ruhig auch mal kurz die Umstände thematisieren. Und dann aber: Musik machen, volle Leistung bringen und mit dieser Freude das Publikum anstecken. Sie zu Freunden und Fans machen. Einfach ist das alles nicht, und anstrengend auf jeden Fall auch. Doch es lohnt sich immer. Und überall!

Außenblick kann helfen.

Dieses Situation ist kein Einzelfall und geschieht gerade im künstlerischen Bereich sicherlich oft. Mir ist das gerade erst passiert, als ich eine wirklich gute Blechkombo einen Tag begleitet habe.

Und gerade für diesen Tag hatte ich mich mit Gaston, Schauspieler, Zauberkünstler und Coach verabredet. Ohne jegliche Vor-Informationen meinerseits hatte ich ihn dafür gewinnen können, sich die Musik und die Künstler einmal anzusehen. In einem nächsten Schritt würde Gaston dann gemeinsam mit den Musikern darüber sprechen, wie sie ihre Potenziale in der Band noch besser nutzen können und welche Ideen für Veränderungen es darüberhinaus noch gibt. Doch das ist ein Thema der Band und heute gar nicht mein Punkt.

Aus dem, wirklich sehr bereichernden Austausch für mich mit Gaston habe ich eine andere Erkenntis: ein Blick von außen, von einem Experten, artfremd aber irgendwie auch künstlerisch nah, kann enorm hilfreich sein.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.