Wie Projekte zu kultureller Bildung und Teilhabe begeistern

Im Januar 2019 bin ich in Wien: der Fachverband Kulturmanagement lädt zu seiner 12. Jahrestagung ein. Unter dem Motto „Counter Culture. Arts & Citizenship: Towards Diversity of Cultural Expressions“ treffen sich an der mdw (Universität für Musik und darstellende Kunst) zahlreiche Theoretiker und Akteure europäischen Kulturmanagements.

Ich lerne, dass Partizipation und kulturelle Teilhabe viel diskutierte Begriffe sind, Kulturvermittlung in diesem Zusammenhang mit gesellschaftspolitischen Prozessen einher geht und kulturelle Bildung in allen Bevölkerungsgruppen und jeder Altersstufe ein Thema ist. Besonders gut gefallen mir tatsächlich die praktischen Beispiele und Anregungen der Experten.

Kulturelle Teilhabe bei der Bewerbung von St. Pölten zur europäischen Kulturhauptstadt 2024

Michael Duscher verantwortet die Bewerbung von St. Pölten zur europäischen Kulturhauptstadt 2024. Einer der Schwerpunkte des Kulturmanagers ist es, die Bevölkerung und interessierte Bürger zu kontaktieren und aktiv in den Bewerbungsprozess einzubinden. Für eine erfolgreiche Einbindung der Bevölkerung sind laut Duscher dabei drei Kernthemen entscheidend: transparent agieren und kommunizieren, Fokusgruppen kreieren und Kräfte bündeln.
Mit der Auszeichnung Kulturhauptstadt erhoffen sich die Bewerber-Städte für ein Jahr erhöhte Aufmerksamkeit und zahlreiche Besucher. Doch erst im November 2019 fällt in Österreich die Entscheidung, welcher österreichische Titelbewerber das Rennen macht.

„Artichoke – Events that live in the memory forever“

Helen Marriage ist die Inhaberin von Artichoke, einer internationalen Kulturvermittlung. Mit ihren Kulturprojekten kreiert sie kulturelle und künstlerische Momente, die zutiefst berühren. Mich persönlich begeistern zwei ihrer Projekte dabei besonders, der Elefant des Sultants in London und ein Holztempel in Belfast.

The Sultan’s Elephant

„The Sultan’s Elephant“ ist in Kooperation mit den, aus Frankreich stammenden Künstlern von Royal Deluxe entstanden.

The biggest piece of free, outdoor theatre ever seen in London. Over four days, audiences were captivated by the adventures of an enormous mechanical elephant and a giant girl.

Marriage ist überzeugt, dass den Künstler dabei eine Schlüsselfunktion zukommen bei der Kreation von moments of magic, indem Kunst und Kultur zu etwas Besonderem wird, something that really matters.

Temple

Zum anderen berichtet Marriage über ihr Projekt des „Burning Man“-Tempels in Nordirland. Das Projekt entstand in Anlehnung an die Feuertürme von Belfast, die jährlich von den verfeindeten Parteien angezündet werden.

Die Idee zum Holztempel ist angelehnt an David Best’s bekannten Burning Man in Nevada. In Nordirland bauen lokale Spezialisten und Arbeiter über mehrere Monate hinweg und in mühevoller Kleinstarbeit einen Holztempel. Nach der Fertigstellung steht der Tempel allen Interessierten eine Woche als Besuchsort zur Verfügung, um die aktive und persönliche Auseinandersetzung mit dem Nordirlandkonflikt zu ermöglichen und zu fördern. Anschließend wird der gesamte Tempel gemeinsam abgebrannt.

If you can transform a physical place, you can change the way people feel and act. It’s about changing what we are for the better.

Denkprozesse ändern

In einem ihrer nächsten Projekte arbeitet Marriage mit anderen Akteuren wieder einmal an der Änderung der Wahrnehmung öffentlicher Plätze. Diesmal ist die Überschrift How to humanize Pennsylvania Avenue, Washington. Es geht darum, Denkprozesse zu ändern, wofür diese Straße – neben dem originären Ziel des Befahrens durch Autos – noch stehen kann. Ich bin schon jetzt sehr gespannt auf das Ergebnis.

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